Es spricht der Dosenöffner

Inzwischen wohnt Paula schon einige Zeit bei mir und im Tagesablauf hat sich eine (notwendige) Routine eingespielt.

Paula weiß schon ziemlich genau, wann mein Wecker morgens klingelt. Nachts liegt sie nicht mehr bei mir, sondern geht in der Wohnung auf Entdeckungstour. Erst kurz bevor ich aufstehen muss, gesellt sie sich dann zu mir – nicht aus Liebe, sondern sicher eher, damit ich keinesfalls vergesse ihr als allererstes Futter zu geben.

Während der Fütterung kümmere ich mich als gewissenhafter Dosenöffner um die Katzentoiletten (Paula hat zwei davon).

Nach der frühmorgendlichen Fütterung folgt noch eine kurze Spielrunde, die ich mit einer Aufräum-Tour kombiniere. Wenn ich zwischen Schlafzimmer, Küche und Computer hin und her laufe, habe ich immer eine Hand frei für eine Spielangel mit einer Feder dran.

Um den Abschied nicht allzu aufregend zu machen, wird das Katzenspielbrett mit einigen wenigen Leckerlies bestückt und danach bin ich unterwegs zur Arbeit.

Wenn ich wieder zuhause bin, gibt es dann immer zuerst eine große Begrüßungsszene, die von sehr viel Miau begleitet wird. Paula will dann immer erstmal auf den Arm genommen und ausgiebig gekuschelt werden. Erst danach ist es mir dann gestattet ohne allzu großes katzenseitiges Klagen meinen Outfit in ein bequemeres Zuhause-Outfit zu ändern.

Dann folgt die Abendfütterung für Paula, natürlich von viel Miau begleitet. In dieser Zeit habe ich dann auch Gelegenheit was zu essen. Danach will Paula bespaßt werden und daran lässt sie auch gar keinen Zweifel aufkommen.

Wenn Paula nicht genügend bespaßt wird, vertreibt sie sich die Zeit mit kurzen Anfällen von Verrücktheit indem sie zum Beispiel in einer affenartigen Geschwindigkeit kreuz und quer durch die Wohnung rennt … vom Schlafzimmer durchs Wohnzimmer die Treppe hoch ins Gästezimmer und wieder zurück.

Am meisten macht ihr das Spiel mit Federspielzeug Spaß. Das kombiniere ich dann gerne mit dem einen oder anderen Einfall … zum Be

Auf Augenhöhe

In einer Wohnung, selbst wenn sie so sparsam ausgestattet ist wie bei meinem Dosenöffner, gibt es viele Ebenen und Flächen, auf die ich als Katze springen, steigen und klettern könnte, denn ich bin gerne auf Augenhöhe mit meinem Dosenöffner oder (noch besser) hab gerne einen Rundblick von möglichst weit oben.

Das Problem dabei ist aber, dass dies meinem Dosenöffner nicht in allen Fällen gefällt!

Schon bevor ich von meinem Dosenöffner im Hammer Tierasyl übernommen wurde und ich in meine neue Wohnung einziehen durfte, hat er sich darüber Gedanken gemacht, wo sich seine Katze keinesfalls aufhalten soll und was er an den Ebenen und Flächen, auf denen ich mich aufhalten darf, zu verändern hat.

Als erstes hat Dosenöffner erst einmal die Ebenen und Flächen, auf die ich darf, für mich katzensicher gemacht. Das heißt, dort stehen jetzt keine Sachen mehr, die ich versehentlich runterwerfen und kaputtmachen kann oder an denen ich mich verletzten kann.

Paula, die Katze
Paula, die Katze

Außerdem hat Dosenöffner auch noch neue Flächen extra für mich geschaffen, zum Beispiel mit diesem tollen Kratzbaum, auf dessen oberster Ebene ich immer gerne schlafe, wenn gerade keine Sonne scheint. Allerdings wird er diesen Kratzbaum noch etwas umbauen, sobald er wieder fit ist. Die Hängematte im Kratzbaum (ziemlich weit unten und hier nicht auf dem Bild zu sehen) finde ich zum Beispiel total langweilig und da macht mir Dosenöffner dann noch was anderes rein.

Wenn am späten Vormittag die Sonne schon wärmer scheint, liebe ich es, mich auf einem Fensterplatz zu räkeln und mir das Fell von der Sonne wärmen zu lassen. Dafür habe ich sogar gleich vier unterschiedliche Plätze zur Auswahl und bald kommt noch ein kleiner Balkon dazu, den ich allerdings nur nutzen kann, wenn Dosenöffner oder seine Freundin da sind.

Nun gibt es aber auch die Flächen, auf die ich eben nie drauf darf.

Auf das große Küchenregal darf ich zum Beispiel auf keinen Fall hoch. Dort steht Dosenöffners geliebte Tee-Sammlung in schönen Dosen und die dürfen nicht runterfallen. Außerdem würde ich nur über den großen selbst-stehenden Kühlschrank (inkl. darauf stehender Mikrowelle) auf dieses Regal gelangen und Dosenöffner ist der Meinung, dass ich auf elektrischen Küchengeräten nichts verloren habe.

Damit ich nicht auf diese Geräte und nicht auf dieses Regal spring, hat Dosenöffner sich dadurch beholfen, dass er mir an den Außenkanten dieser Flächen keine Landefläche für einen möglichen Sprung bietet. Es stehen dort alle Dosen und Flaschen (und was es sonst noch so gibt) dicht an dicht nebeneinander, so dass nirgendwo Platz wäre durchzukommen, wenn  ich dorthin springen würde.

Bisher hat mich das problemlos davon abgehalten diese Ebenen zu erkunden.

Andere Veränderungen sind Dosenöffner schwerer gefallen. Eigentlich ist Dosenöffner ein großer Freund von Teelichtern, die unter anderem auch rund um seine Radha Krishna-Statuten platziert waren, die auf Ebenen stehen, die ich problemlos erreichen kann und wo eine Absperrung keinen Sinn machen würde. Katzen und Teelichter vertragen sich nach Meinung Dosenöffners aber nicht wirklich und deshalb hat er mir zu Liebe alle Teelichter aus der Wohnung verbannt.

Das gehört zu den Dingen, die Dosenöffner bei den Vorbereitungen am schwersten gefallen sind …  aber Krishna wird deshalb nicht traurig sein – immerhin geschah das um mich aus dem Tierasyl zu holen.

Hinter einer Radha Krishna Statue hängt noch ein großes gleichartiges Wandtuch. Da war sich Dosenöffner nicht so sicher, ob er es abhängen soll, weil er dachte, dass ich es vielleicht ruiniere, weil ich es als Kletterhilfe verwende … aber bisher habe ich daran nicht das geringste Interesse gezeigt – also darf es hängen bleiben.

Nun gibt es aber auch Flächen und Ebenen, die ich auch nicht betreten soll und die er eben nicht absichern kann. Das ist zum Beispiel sein Esstisch oder die Arbeitsfläche in der Küche.

Bei solchen Ebenen arbeitet mein Dosenöffner lediglich mit erzieherischen Mitteln. Diese haben zwar dauerhaften Erfolg, aber eben nur, wenn er in der Nähe ist und ich weiß, dass er mich im Auge hat … sobald Dosenöffner weg ist, mach ich dann wieder was ich will – das ist ja mal klar, denn ich bin eine Katze.

Wenn ich etwas tue, was ich nicht tun darf, dann bekomme ich davon sehr schnell Wind, denn just in diesem Moment wird die Stimme meines Dosenöffners sehr militärisch und auch etwas lauter und ich höre ein “Ab!” und ich sehe eine ausgestreckte Hand mit Zeigefinger.

Dann weiß ich sofort, dass ich etwas nicht darf, ziehe den Kopf ein und springe sofort wieder runter. Wenn ich das drei oder vier Mal erlebt habe, merke ich mir das auch.

Bisher habe ich es mir nicht wieder erlaubt, in seiner Gegenwart auf Flächen zu springen, von denen ich so erfahren habe, dass ich sie nicht betreten darf und wenn ich es doch tue (weil er nicht da ist) und ich höre, dass er kommt, springe ich ganz schnell von alleine runter.

Nur eine Fläche, die er mir eigentlich auch verbieten wollte, habe ich mir dann doch gegen seine Planung erobert: seinen Computer-Tisch an dem er echt sehr oft und lange sitzt.

Ich hab ihn mit meinem Schnurren weichgekocht und weil ich jedes Mal, wenn ich runter musste, dann dicht neben ihm auf dem Boden saß und ihn lange angeschaut habe. Das hab ich so lange gemacht, bis mein Dosenöffner weich wurde. Jetzt darf ich meistens hoch zu ihm – außer wenn er dabei ist etwas zu essen (auch das hab ich schon gelernt).

Sicher, er kann dann nicht mehr wirklich computern, denn meistens lege ich mich quer über beide Unterarme oder wälze mich vor ihm auf der Tischfläche hin und her. Und wenn er dann anfängt mich zu streicheln … naja … dann schlafe ich immer innerhalb von Minuten ein und blockiere damit dauerhaft seinen Computer-Platz … aber Hauptsache mir geht es gut!

Paula, die Katze
Paula, die Katze

Das wird für ihn noch zum Problem werden, wenn er wieder bei seiner Fotografen-Seite voll einsteigt und seinen Models die Fotos bearbeiten muss und er dann nicht mehr wirklich dazu kommt.

Vielleicht muss er seine Model-Verträge eben ändern und reinschreiben, dass mich seine Models mit Streicheleinheiten ablenken müssen, während er die Fotos dann ungestört bearbeitet … oder er fotografiert eben nur noch mich allein.

Also ich könnte mit so einer Lösung sicher gut leben!

Alles Liebe!
Eure Paula

Spielereien

Damit es mir als Wohnungskatze nicht allzu langweilig wird, hat sich mein Dosenöffner ein paar Spiele und Zeitvertreibe für mich ausgedacht, mit denen ich mir die Zeit vertreiben kann, bis mein Dosenöffner wieder hier ist.

Immerhin wird mein Dosenöffner wohl ab Montag wieder zur Arbeit gehen (wenn die Stimme bis dahin wieder richtig da ist) und dann will ich eine gewisse Zeit am Tag beschäftigt sein, auch wenn sich inzwischen die ganze Aufregung für mich etwas gelegt hat und ich nun viel mehr Zeit in der Sonne dösend verbringe als zu Anfang.

Natürlich könnte mein Dosenöffner jede Menge tolles Katzenspielzeug auf Amazon.de kaufen, aber da hält er sich bis auf ganz wenige Ausnahmen (siehe unten) zurück.

Weil er aber zur Zeit krankheitsbedingt zuhause bleiben muss und daher viel Zeit hat, hat er auch ein paar Sachen selbst gebastelt. Kartons hat er im Moment mehr als genug, wegen der ganzen Pakete, die wegen mir gekommen sind.

DIY Katenspielzeug
DIY Katenspielzeug

Aus dem Karton, in dem einer meiner Fressnäpfe verpackt war, aus zwei Innenkartons von Küchenrollen und aus einer sauberen Hälfte einer Eierschachtel hat mir Dosenöffner hier diesen Schnupper- und Tatzenparkour gebastelt.

Die einzelnen Teile hat er jeweils mit seiner Heißklebepistole und einem winzigen Klebepunkt bombenfest miteinander verbunden und darauf geachtet, dass nirgendwo irgendwelche Klebereste übrigbleiben.

Jetzt verwendet er es gemeinerweise dafür, um darin die Leckerlies zu verstecken, die ich ganz besonders gerne mag.

Paula, die Katze
Paula, die Katze

Am Anfang war mir die ganze Sache nicht so ganz klar und es hat eine Weile gedauert, bis ich bemerkt habe, dass ich mit meinen Tatzen arbeiten muss um an die Leckerlies zu kommen, aber jetzt bin ich schon fast Profi und mein Dosenöffner muss sich bald wieder was einfallen lassen, damit das nicht so schnell geht.

Außerdem hat er noch ein Katzen-Spielbrett aus Plastik bestellt, mit dem er schon bei seiner früheren Katze sehr gute Erfahrungen gemacht hat und mit dem sicher auch ich gerne spiele. Es hat gegenüber Karton eben auch den Vorteil, dass es gewaschen werden kann und deshalb nicht immer neu ersetzt werden muss.

Bei allen Spielzeugen mit Leckerlies bedenkt mein Dosenöffner aber leider, dass er die Menge der Leckerlies von meiner täglichen Verpflegungsmenge abzieht – vermutlich damit ich nicht so dick werde wie er es ist.

Paula, die Katze
Paula, die Katze

Ansonsten spiele ich am liebsten mit den Federn und der Katzenrute, die man in jedem guten Tierbedarf-Handel auch bekommt. Mein Dosenöffner achtet aber darauf, dass es eine Angel mit einer Schnur ist … ob das wirklich wichtig ist, weiß er selbst auch nicht, aber er hat ein wenig Sorge, ob er mir mit den Angeln, bei denen die Federn direkt am Ende befestigt sind, nicht vielleicht versehentlich weh tut.

Von Laserpointern hält mein Dosenöffner übrigens gar nichts. Ihm ist schon klar, wieso andere Dosenöffner die so gerne einsetzen (die Katze hat viel zu tun und der Dosenöffner muss nur ein wenig sein Handgelenk bewegen), aber er findet diese Laserpointer nicht toll. Er hat Angst, dass er mir damit versehentlich mal ins Auge leuchtet. Meine Augen sind viel empfindlicher als seine und wenn er das schon bei sich selbst als unangenehm empfindet, dann wird das bei mir noch viel schlimmer sein.

Allen Dosenöffnern, die jetzt denken “Ist doch Quatsch!” und weiterhin ihre Laserpointer verwenden wollen, empfiehlt er, dass sie sich einfach mal selbst damit direkt ins Auge leuchten sollen (wenn sie sich das überhaupt trauen) – dann wissen sie bescheid.

Die hauptsächlichen Spielzeiten hat mein Dosenöffner übrigens immer vor die Fütterungszeiten gelegt. Das hat er mit Absicht so gemacht, weil das Zeiten sind, die er immer einhalten kann (auch wenn er arbeitet). Wenn ich mich ein wenig auspowern konnte, schmeckt das Futter auch besser und danach werde ich mit vollem Magen auch leichter ruhig und brauch erstmal keine Bespaßung mehr.

Wenn er tagsüber hier ist (so wie zur Zeit) legt er auch zwischendurch mal eine kleine Spielrunde rein. Er merkt eben auch, ob ich spielen will. Wenn ich zum Beispiel mal wieder “meine 5 Minuten” habe und grundlos wie von der Biene gestochen durch die Wohnung renne oder wenn ich beim Streicheln und Kuscheln sehr übermütig werde und massenhaft kleine Tatzenstreiche und Liebesbisse verteile.

Wenn Dosenöffner abends auch mal Zeit für sich haben will, fällt es mir naturgemäß schwer das einzusehen. Ich bin gar nicht so wie andere Katzen, die auch mal ihre Ruhe haben und nicht angefasst werden wollen, sondern ich will immer möglichst direkt mit Körperkontakt bei Dosenöffner sein oder mich zumindest in seiner unmittelbaren Nähe aufhalten.

Für Dosenöffners Freizeit hat er einen Kompromiss gefunden: wir teilen uns einfach seine Serienzeit. Während er auf Netflix seine langweilige Serie auf dem linken Bildschirm anschaut, lässt er auf dem rechten Bildschirm ein Video für mich laufen, das mich dann in der Zwischenzeit beschäftigt.

Gemeinsamer Filmabend
Gemeinsamer Filmabend

Dann kann ich mich selbst entscheiden, ob ich lieber auf dem Tisch zwischen und auf den Armen von Dosenöffner liege oder versuche die Mäuse auf dem Bildschirm zu jagen.

Eigentlich wollte mein Dosenöffner noch ein Foto zeigen, auf dem ich gerade durch die Luft springe um das Federteil zu jagen, aber das bekommt er alleine einfach nicht gebacken. Deshalb wird er damit warten müssen, bis seine Freundin hier ist.

Eine wichtige Sache zu meinen Spielsachen. Ich bin eine Katze und ich mache mir wenig Gedanken darüber, wo ich meine Spielsachen liegen lasse, wenn ich damit fertig bin. Das heißt, mein Dosenöffner muss jetzt eben ein wenig aufpassen, damit er nicht auf zum Beispiel auf einen Katzenminze-Ball (der bei mir aber nur mäßig gut ankommt) tritt oder sich irgendwie weh tut, wenn er nachts zum Beispiel mal halbschlafend auf dem Weg ins Bad ist.

Morgen schreibe ich euch dann wie mein Dosenöffner das mit den Flächen und Eben geregelt hat, auf die ich springen und auf denen ich mich aufhalten darf.

Bis dann!
Eure Paula.

Liebe auf den ersten Blick

Dosenöffner sagt immer, er könne gar nicht begreifen, wieso ich überhaupt länger als einen Tag im Tierasyl verbringen musste, weil ich so eine Liebe und Süße wäre und er es nicht verstehen könne, wieso ich nicht gleich vom ersten Besucher wieder mitgenommen wurde.

Aber ich glaube, er ist ganz froh, dass es so gekommen ist, denn sonst wäre ich nicht mehr da gewesen als seine Freundin und er dem Tierasyl in Hamm einen Besuch abstatteten.

Eigentlich war von den beiden auch gar nicht geplant, dass sie mich haben wollten, denn sie wollten die Sache absichtlich ganz ruhig angehen und ohne Stress nach einer Katze suchen, die auch wirklich passt. Daher hatten sie sich schon von vorneweg untereinander so abgesprochen, sich lieber ein paar Monate immer wieder mal zu melden und sich in Ruhe umzuschauen, um dann “irgendwann” die richtige Kandidatin oder den richtigen Kandidaten zu treffen.

Dieses Mal kamen sie eigentlich nur deshalb so schnell wieder für einen Besuch ins Tierasyl, weil Dosenöffner ein wenig dusselig war und den Fragebogen (den Interessenten auszufüllen haben, wenn sie ein Tier übernehmen wollen) gleich nach seinem letzten Besuch zwei Wochen zuvor verloren hat.

Naja … und wenn man schon mal da ist, dann kann man doch auch nach den Katzen und Katern sehen … und da geschah es, dass wir uns an diesem Samstag das erste Mal trafen.

Man muss wissen, ich bin eine wirklich sehr kommunikative Katze. Ich miaue sehr viel und laut und wenn es um etwas geht, das ich wirklich will (zum Beispiel nach dem Fressen erstmal ausgiebig gestreichelt zu werden bis ich müde bin), schaffe ich halbe Portion dabei auch tiefe Tonlagen, um die mich sogar Louis Armstrong höchstselbst beneidet hätte.

Paula, die Katze
Paula, die Katze

Und laut wurde ich auch gleich, als Dosenöffner und seine Freundin vor mein Gehege traten. Ich bin aufgesprungen und mit einem lauten Dauer-Miau nach vorne ans Gitter gerannt und hab sie mit meinen riesig großen Augen (die noch viel größer wirken, weil ich eine ziemlich zierliche Katze bin) lieb angeschaut.

Jaha! Ich kann das!

Die liebe Katja vom Tierasyl war dann so nett und hat das Gitter auch mal aufgemacht, damit wir uns richtig beschnuppern konnten. Drei Leute auf einmal (zwei davon hab ich vorher noch nie gerochen) ist aber natürlich etwas viel für mich kleine Katze. Daher war ich am Anfang noch ein klein wenig vorsichtig, aber trotzdem schon anhänglich genug, dass sich Dosenöffners Freundin sofort rettungslos in mich verliebt hat.

Nur schwer konnten sich Dosenöffner und seine Freundin da wieder losreißen, aber es musste ja sein, denn auf “Katze mitnehmen” waren sie so schnell gar nicht vorbereitet und mir zu Liebe muss sowas eben auch richtig und nicht übereilt gemacht werden.

Daher war bei den beiden erstmal keine Rede von “Paula haben wollen”, aber Dosenöffner hat seiner Freundin dann schon deutlich angesehen, dass sie ihr Herz an mich verloren hat – immerhin war sie den Rest des Tages immer ziemlich traurig und hatte sogar Pipi in den Augen, wenn er sie auf mich angesprochen hat.

Am Tag darauf, es war Sonntagvormittag, hat Dosenöffner seiner Freundin gesagt, er müsste kurz spontan in die Firma. Sowas kommt im Job von Dosenöffner manchmal vor, daher hat sich seine Freundin nicht allzu sehr darüber gewundert.

In Wahrheit fuhr Dosenöffner aber gar nicht in die Firma, sondern ins Hammer Tierasyl (die haben nämlich auch Sonntags auf) und hat dort Katja gesagt, dass er mich nehmen wolle, aber eben noch ein paar Tage Zeit für die Vorbereitung benötigen würde.

So einfach mitnehmen geht ohnehin nicht, denn die Übergabe eines Tiers dauert ein paar Tage, weil die vom Tierasyl das ordentlich machen. Das geht damit los, dass der Fragebogen ausgefüllt werden muss und die Antworten auch zeigen sollen, dass man weiß, was man an Verantwortung übernimmt, wenn man ein Tier aufnimmt. Niemand ist geholfen, wenn das Tier nächste Woche wieder da ist und zwischendrin nur Stress hatte. Außerdem musste ich noch einmal von einem Tierarzt untersucht werden.

Aber wenigstens war jetzt sicher, wer mich tolle Katze nun bekommt und weil Dosenöffners Freundin davon nichts wusste, war ich obendrein noch eine tolle Überraschung!

Die Zeit bis zur Übergabe hat Dosenöffner dann genutzt um die Wohnung so gut wie möglich für mich vorzubereiten. Umgebaut werden musste deswegen nichts, aber eine Wohnung für Menschen ist nicht automatisch auch für Katzen gut. Gefährliche Dinge hat er zum Beispiel in geschlossene Schränke umgestellt und außerdem hat er einen vernünftigen (ungestörten) Platz für meine zwei Katzenklos und einen guten Platz für meine Fressecke geschaffen.

Nur der Zeitpunkt der tatsächlichen Übergabe war ein wenig improvisiert, denn er musste zweimal umständehalber um einen Tag verschoben werden. Aber zum Glück ist das Team vom Tierasyl da sehr entgegenkommend.

Die eigentliche Übernahme lief dann ganz schnell. Dosenöffner kam mit einer schönen großen neuen Transportbox (sowas gehört zur Grundausstattung, denn ich muss ja auch mal zum Tierarzt gebracht werden) und das Tierasyl gab mir noch eine kleine Decke mit (damit ich einen bekannten Geruch darin habe).  Nach Regelung der Formalitäten (Dosenöffner musste natürlich auch eine Gebühr bezahlen) und Übergabe meiner Papier (Impfpass) konnte er mich dann mitnehmen.

Und wie es dann zuhause weiterging, das könnt ihr im ersten Paula-Blog auf dieser Seite hier lesen.

Eigentlich wollte Dosenöffner seine Freundin dann mit meiner Anwesenheit überraschen, wenn sie am Wochenende wieder hier gewesen wäre. Weil er aber schlimm krank wurde und die Freundin nicht da sein konnte, klappt es mit der Überraschung nicht wie geplant. Er hat ihr dann am Telefon gesagt, dass ich jetzt hier auf sie warte … weil ich so eine laute Katze bin, wäre sie nämlich früher oder später während eines Telefongesprächs von alleine drauf gekommen, dass es jetzt eine Katze im Haushalt gibt.

Da seine Freundin bald hier einziehen soll, wenn alles klappt, hab ich dann noch zwei Hände mehr zur Verfügung, die mich streicheln können …

Tatzen hoch!
Eure Paula

p.S: Übrigens… zum Glück bin ich eine Katze und kein Kater. Dosenöffner hat nämlich darauf bestanden, im Falle eines Katers den Kater in “Günther” umzubenennen – einfach weil er den Namen für einen Kater so Banane findet…

Gute Orte, böse Orte

In den letzten drei Tagen habe ich nun schon fast meine komplette neue Wohnung kennengelernt.

Mein Dosenöffner hat den ganzen Stress der tausend neuen Eindrücke und Gerüche für mich erträglicher gemacht, indem er meine neue Welt in kleinere Teilbereiche aufteilte. Er hat mir nämlich nicht die ganze Wohnung auf einmal zugänglich gemacht, sondern nach einiger Zeit immer mal wieder mein Terrain erweitert, indem er eine weitere Türe zu einem anderen Raum geöffnet hat.

Mein Dosenöffner achtet dabei vor allem darauf, wie ich mich in meinem bisherigen Reich verhalte: Blicke ich mich ständig hektisch um und wirke ich nervös und angespannt oder liege ich entspannt auf dem Boden und putze mich und/oder bin zum gelassenen Spielen aufgelegt?

Wenn ich entspannt wirkte, war es Zeit etwas Neues zu entdecken und weil ich eine sehr neugierige Katze bin, die sich immer sicher fühlt, wenn (m)ein Dosenöffner in der Nähe ist, ging das auch ganz schnell.

In den “Schrank unter der Treppe” (nein, mein Dosenöffner heißt nicht Harry Potter, aber er hat dennoch so eine Abstellkammer) darf ich aber noch nicht rein, denn dieses “Zimmer” ist noch nicht Paula-tauglich.

Darin sind noch ein paar Dinge zu erledigen, damit ich mir nicht weh tue oder es für mich gefährlich werden kann. Dort steht zum Beispiel der Plastik-Sack mit den Wertstoffen offen herum. Das ist bestimmt etwas, was mich anregt darin Dinge zu entdecken, aber wenn ich mich in der großen Tüte verfange, kann ich auch ganz schnell darin ersticken oder mich an einem Dosenrand schneiden (usw).

Leider ist mein Dosenöffner zur Zeit aber krank (laut Ärzten ist das nichts, was mir gefährlich werden kann und bis gestern trug er auch noch eine Atemmaske zur Sicherheit) und liegt oft mit dem dem Notebook im Bett. Das ist zwar toll für mich, weil er immer da ist, aber er muss trotzdem ganz schnell wieder gesund werden, weil seine Kollegen ihn bestimmt vermissen (und natürlich vor allem, um Geld für mein Futter zu verdienen). Dafür muss er sich viel ausruhen und kann deshalb leider nicht noch irgendwelche Änderungen in der Wohnungsausstattung vornehmen. So muss ich auf das letzte Zimmer leider noch ein wenig warten.

Eine Tür ist generell tabu für mich, selbst wenn sie offen steht. Das habe ich schon bemerkt. Die Türe zu diesem Raum ist meistens zu, aber wenn sie mal zur angelehnt ist (z.B. weil sich Dosenöffner die Zähne putzt oder duscht), darf ich dennoch nicht rein. Dosenöffner macht mir das dann sofort mit einer sehr bestimmten Klangart seiner Stimme und einer strengen Armgeste deutlich und ich komme nicht umhin das zu bemerken und dann halte ich mich auch daran.

Im Moment hört sich seine Stimme nur manchmal ziemlich komisch an, weil Dosenöffners Arzt zu ihm gesagt hat, dass er möglichst nicht sprechen soll und wenn er dann mal kurz was sagen muss, klingt das oft sehr komisch. Aber ich weiß trotzdem was er meint.

Ob ich mich auch daran halte, wenn er nicht da ist und ich die Gelegenheit hätte den Raum zu betreten, bin ich mir noch nicht ganz sicher, denn hey: ich bin eine Katze!

Paula, die Katze
Paula, die Katze

Mal abgesehen von diesen beiden Räumen tut Dosenöffner (wenn er es kann) sonst aber alles dafür, dass ich mich wohlfühle.

Zum Beispiel: Weil mir diese andere komische Mitbewohner (der einmal am Tag mit einem elektrischen Schnurren durch die Wohnung geht und alles frisst, was er findet) meiner Lieblingsmatte manchmal ein wenig zu nahe kam, hat Dosenöffner zwei Holzbretter unter meinen Lieblingsplatz gelegt. Davor hat sich der komische Mitbewohner manchmal auf meiner Matte regelrecht festgefressen und lies erst wieder los, wenn Dosenöffner ihn aufgehoben und umgesetzt hat. Das war mir dann nicht so geheuer. Jetzt traut sich dieses komische Ding nicht mehr bis zu meiner Matte, sondern hält noch ein paar Zentimeter vorher an bzw. dreht einfach wieder um (auf dem Foto sieht man noch das “Vorher”). Jetzt ist alles cool und ich schau dem komischen Mitbewohner entspannt von meiner Matte aus zu.

Wenn Dosenöffner wieder gesund ist, macht er mir bestimmt ein tolles Brett in der passenden Größe für die Matte. Denn aktuell passt das noch nicht so 100%.

Jetzt muss mein Dosenöffner aber den Notebook weglegen, denn er hat noch was zu erledigen. Da er nicht darauf vorbereitet war diese Woche krank zu sein und er auch noch ganz alleine wohnt, muss er jetzt dringend vor die Türe und wenigstens die allerwichtigsten Besorgungen machen.

Das ist nämlich ein wenig blöd bei meinem Dosenöffner. Die Familie und Verwandtschaft wohnen >500km entfernt und seine Freundin wohnt aktuell auch noch ein Stück weit weg. So muss Dosenöffner (krank hin oder her) eben auch mal selbst vor die Türe, wenn wir morgen noch was Essbares im Haus oder Nachschub an Medizin haben wollen.

Dafür ist er, wenn er zurück ist, wieder richtig geschafft und ich kann dann ganz sicher wieder lange im Bett mit ihm kuscheln.

Eure Paula

Die 10 Gebote nach Paula

(Änderungen selbstverständlich vorbehalten)

1. Gebot

Ich bin Paula, deine Katze. Dein Leben, so wie Du es bisher kanntest, ist vorbei. Je eher Du dich daran gewöhnst, umso besser (für mich).

2. Gebot

Sobald Du zuhause bist, laufe ich dir immer um die Füße herum (maximal erlaubter Abstand sind ca. 50cm). Der einzige Raum, in welchem ich es dir (zwangsweise) gestatte, mehr als 50cm von mir entfernt zu sein, ist deine Menschen-Toilette. Aber beeile dich gefälligst! Ich warte vor der Tür und miaue so laut und heftig, dass dein Nachbar aus Sorge (Du könntest bereits seit Tagen tot in der eigenen Wohnung liegen) vielleicht die Feuerwehr ruft …

3. Gebot

Egal wie viele (deiner Meinung nach) tolle Plätzchen Du mir auf zwei Etagen meiner Wohnung eingerichtet hast: ich schlafe gefälligst im gleichen Bett wie Du und wenn Du nachts mal raus musst, gehe ich natürlich mit.

4. Gebot

Wenn Du nicht willst, dass ich dir ungefragt auf den Schoß oder deine Schultern springe, dann setze dich gefälligst auch nicht so hin, dass sich diese Zielgebiete in meiner Reichweite befinden.

5. Gebot

“Miau” ist eine Zeit-Säumnis-Angabe – und somit die einzige Maßeinheit, die für dich noch eine Bedeutung hat. Ein “Miau” entspricht ziemlich genau 4,286 deiner menschlichen Sekunden, seit denen ich nicht gestreichelt oder anständig liebgehabt wurde.

6. Gebot

Tastaturen werden von euch Menschen völlig überschätzt. So wirklich attraktiv wird ein Tastenfeld doch erst dann, wenn eine Katze darauf liegt, die man streicheln und liebhaben kann.

7. Gebot

Futter??? Nein, sowas hab ich HEUTE noch nicht gehabt. Das war doch gestern…. Ehrlich, ich schwöre!

8. Gebot

Dein Fressen hat auch mein Fressen zu sein!  Das heißt konkret: das nächste Mal gibst Du mir gefälligst was von deinen Fischstäbchen ab – immerhin würde ich dir auch jederzeit etwas von meinem Trockenfutter abgeben …

9. Gebot

Paula, die Katze
Paula, die Katze

Natürlich rollt der Katzenminze-Spielball auch von selbst, aber viel aufregender rollt er, wenn DU ihn wirfst. Außerdem ist der alte Türvorleger, den Du eigentlich schon lange wegwerfen wolltest, viel toller zum Kratzen als das extra beschaffte Katzenminze Kratzbrett von Amazon.de.

10. Gebot

Wer sagt, dass Katzen 16 Stunden am Tag schlafen oder dösen, meint alle anderen Katzen abgesehen von mir. Mir reichen 4-6 Stunden Ruhe und den Rest der Zeit kannst Du dann mit streicheln und liebhaben verbringen.

Ich bin Paula, die Katze

Hallo.

Ich bin Paula, die Katze.

Im Moment befinde ich mich mal wieder an einer meiner Lieblingsstellen: Mein Dosenöffner sitzt am Schreibtisch und da er nicht weit genug hinten auf der Sitzfläche des Stuhles saß, fand ich dort Platz um aufzuspringen und im diesem Moment klettere ich gerade an seinem Rücken hoch und schaue über seine Schultern, was da verdammt nochmal so wichtig ist und ihn von mir ablenkt.

Er schreibt –  vermutlich über mich. Was denn sonst kann es in seinem Leben denn Wichtigeres geben als mich, seit ich gestern bei ihm eingezogen bin?

Eigentlich sollte ich erst in frühestens einer Woche einziehen (so hatte er es zumindest geplant), aber umständehalber hat es sich nun doch anders ergeben – was ich persönlich ganz gut finde, denn im Tierasyl gab man sich zwar alle Mühe mich gut unterzubringen und gut zu versorgen, aber dort bin ich eben nicht die einzige Katze. Bei meinem Dosenöffner bin ich aber die einzige Diva – auf vier Pfoten zumindest – und das ist natürlich viel toller!

Mein Dosenöffner hat die Wohnung auch nahezu perfekt für mich hergerichtet. Überall sind tolle Plätze eingerichtet, an denen ich es mir bequem machen kann. Manche liegen versteckt und so, dass mich niemand sehen kann und andere liegen weit oben auf exponierten Lagen, wo ich alles gut überblicken kann, was in meinem neuen Reich so vor sich geht.

Angst kenne ich keine. Ich bin in einer neuen Umgebung zwar ein wenig vorsichtig und spitze bei Geräuschen meine Ohren, aber wenn mein  Dosenöffner mitgeht, dann erkunde ich tapfer jeden Raum, jeden Schrank und jedes Regal. So habe ich mir jetzt die komplette Wohnung (2. Etagen) zu eigen gemacht und weil ich eine tolerante Katze bin, gestehe ich es meinem Dosenöffner zu, dass er zumindest die kleine Menschentoilette für sich alleine hat. Allerdings achte ich streng darauf, dass er dort nicht zuviel Zeit verbringt.

Gerne verstecke ich mich in irgendwelchen sehr seltsamen Nischen und Winkeln, von denen mein Dosenöffner bisher gar keine Ahnung hatte. Dies hat zwei Vorteile:

  1. Er sucht mich und wenn er mich gefunden hat, beschäftigt er sich auch viel intensiver mit mir (weil er froh ist, dass ich noch da und nicht ausgebrochen bin).
  2. Gewinnt mein Dosenöffner dadurch die Erkenntnis, in wie vielen Ecken meiner (früher: “seiner”) Wohnung noch Staub liegt.

Außerdem hat mein Dosenöffner die Angewohnheit Schubladen nicht ganz zu schließen (eine Macke aus Kindheitstagen, wie er mir erzählt hat). Ich erziehe ihn dadurch, indem ich mit meiner Pfote in jeden nicht komplett geschlossenen Schubladenschlitz komme und dadurch die Schublade öffnen kann, denn den Inhalt solchen Schubladen finde ich höchst interessant. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit Konsumkritik zu üben! Wieso braucht Dosenöffners Freundin eigentlich so viele Slips? Die kann man doch auch mal waschen und muss nicht 365 Slips (für jeden Tag des Jahres) einen haben. Raus damit!

Dosenöffner hat sie dann wieder eingeräumt – vermutlich will er keinen Ärger mit seiner Freundin haben … oder er trägt sie selber, ich bin mir da noch nicht so ganz sicher.

Außer mir und Dosenöffner gibt es hier noch einen Mitbewohner, der mir allerdings noch nicht so ganz geheuer ist. Die allermeiste Zeit liegt er nur faul unter einer Steckdose rum und macht gar nichts, aber einmal am Tag flippt er total aus und kontrolliert die ganze Wohnung mit seinen Fühlern. Die wachsen bei ihm vorne links und rechts raus (also wenn man “vorne” sagen kann, weil er hat kein Gesicht) und die drehen sich, wenn er durch die Wohnung geht.

Ein seltsamer Zeitgenosse ist das und er schnurrt auch so komisch elektrisch … aber das Widerlichste an diesem Mitbewohner ist: er frisst echt jeden Dreck, den er findet. Total eklig!

Ich hab mein Fressen ja in einer sauberen Ecke – auf einer sauberen Ablage weit weg von irgendwelchen Belästigungen wie Katzenklo oder Mülleimer. Dort steht mein persönlicher fröhlich plätschernder Trinkbrunnen und immer etwas Trockenfutter in einem sauberen Napf. Zwei Mal am Tag gibt mir Dosenöffner dann auch noch Nassfutter in einem zweiten Napf.

Dieser andere Mitbewohner hingegen frisst einfach alles, was er nur findet und egal wo er es findet. Sogar mein Trockenfutter, das ich mit viel Hingabe als moderne künstlerische Performance unter dem Arbeitstitel “Ich bin Katze, verwöhne mich!” rund um meine Fress-Ecke verteilt habe, hat er respektlos und ohne mich vorher zu fragen gefressen.

Diesem Mitbewohner fehlt offensichtlich jegliches Kunstverständnis.

Wenigstens habe ich einen verständnisvollen Dosenöffner, der sich sehr lieb um mich kümmert und mich sogar in seinem Bett pennen lässt … auch wenn es einige Anläufe meinerseits gebraucht hat und ich abwarten musste bis er mal kurz eingeschlafen war (ihm geht es gerade nicht so gut), bevor ich ihn dann einfach vor vollendete Tatsachen stellen konnte.

Ich glaube, hier wird es mir gut gehen. Dosenöffners Freundin soll auch total verrückt nach Katzen sein – was mir ganz gut in den Kram passt. Ich hab sie bisher nur einmal kurz im Tierasyl gesehen und da hat sie sich auch total in mich verliebt – hat mir Dosenöffner erzählt. Ich muss nur aufpassen, dass ICH die Hauptattraktion für Dosenöffner bleibe, wenn sie da ist …

Paula, die Katze
Paula, die Katze

Ach, eines noch: mein Dosenöffner ist Fotograf (natürlich hat er versprochen mich immer ohne Blitzlicht zu fotografieren um meinen Augen nicht weh zu tun). Dass ich fotografiert werden soll, kommt meinem Katzenego (das sich immer nach Aufmerksamkeit sehnt) sehr entgegen, aber das bedeutet auch, dass er sich dafür etwas von mir entfernen muss. Das kann ich aber nicht zulassen. Daher renne ich ihm überall nach und achte darauf, dass er nie weiter als 50cm von mir entfernt ist. Klar, er hat dadurch Probleme ein vernünftiges Foto von mir zu machen, aber hey… das ist doch SEIN Problem und nicht meins!

In diesem Sinne, Tatzen hoch!
Eure Paula

Mein Motto

Ich verbringe heute, wie jedes Jahr, ganz bewusst einen einsamen Abend. Diese Abende der 24. Dezember sind in jedem Jahr für mich Abende der Erinnerung, aber auch der Selbstreflexion was ich in diesem Jahr richtig oder aber auch falsch gemacht habe.

Und wie auf Bestellung wurde ich genau heute (also sozusagen passenderweise) in einem doch ziemlich tief gehenden Gespräch von einer mir völlig Unbekannten nach meinem Lebensmotto gefragt oder wonach sich (meiner Meinung nach) ein Lebensmotto orientieren sollte.

“Lebensmotto” ist ein so eindimensionales und dahingesagtes Wort, das eigentlich nicht für etwas so komplexes aber auch wunderbares wie ein ganzes Leben taugt, aber ein besserer Begriff will mir leider nicht einfallen.

Zu meinem Lebensmotto befragt möchte ich (wie schon im Gespräch nun auch hier im Blog) ein Zitat verwenden, auf das ich vor einigen Jahren bereits gestoßen bin und das ich seltsamerweise nie irgendwo im Internet (in dem man doch alles finden kann) gelesen habe.

Dieses Zitat hat mich schon beim ersten Hören so sehr beeindruckt, dass ich es auch für mich selbst als Lebensmaßstab sehe. Auch wenn ich diesem Maßstab selbst leider viel zu oft nicht gerecht werde, so bleiben die Worte dennoch wahr:

Soviel Gutes tun, wie irgend möglich.

Die Freiheit über alles lieben.

Die Wahrheit nie verleugnen,
nicht einmal vor den Mächtigen.

Handschriftliche Randnotiz im Schulbuch des jungen
Ludwig van Beethoven

Ein Morgen im Dezember

“Haben Sie Schweineöhrchen?” frage ich die hinter der Theke stehende Bäckereifachverkäuferin und wie ich gerade dabei bin den Mund wieder zuzumachen, bekomme ich auch schon ein schlechtes Gewissen, weil ich mir darüber Gedanken mache, dass die Dame vielleicht gar nicht weiß, was ich meine und sich nun von meiner allzu unbedacht vom Stapel gelassenen Frage persönlich bezüglich ihrer Ohren betroffen fühlen könnte.

Aber die Bäckereifachverkäuferin, die hinter der Bäckerei-Theke ziemlich beengt und gestresst ihre Kreise zieht, dabei aber (das muss man lobend erwähnen) noch versucht jedem Kunden einen freundlichen und erwartungsfrohen Blick zu schenken, scheint ein Profi zu sein und weiß natürlich, was ich mit “Schweineöhrchen” meine.

Haben sie aber nicht.

Das war Bäckerei Nummer 3, die ich heute in meiner Mission mit Schweineöhrchen nach Hause zu kommen, erfolglos heimsuchte.

Heute scheint definitiv kein Schweineöhrchen-Tag hier in Hamm zu sein…. mehr noch: heute ist allgemein kein guter Tag um in Hamm einzukaufen – so scheint mir.

In Ermangelung visueller Möglichkeiten möge sich der Leser dieser Zeilen einen flimmernden Tunnel voll Licht vorstellen, oder ein Wurmloch oder etwas in der Art, denn jetzt kommt ein Zeitsprung!

Am morgen dieses Tages um 09:04 Uhr.

Eigentlich nur von der Absicht beseelt mir aus dem Kleiderschrank im Schlafzimmer kurz ein paar Socken zu holen, damit ich mich auf den Weg zur Packstation machen kann, um den Ersatz für meine jüngst glorios abgerauchte Festplatte abzuholen bevor der samstagliche Einkaufswahnsinn losgeht, geruht meine Freundin für eben gerade nur so viele Augenblicke aus ihrem Schlaf zu erwachen, um mir in noch etwas verschlafenem Kauderwelsch mitzuteilen, ich möge von der Bäckerei eine Süßigkeit mitbringen.

Also mache ich mich auf zur Packstation und werde im nahen Kreisverkehr fast von einem anderen Verkehrsteilnehmer tangiert, der wohl dachte, ich würde dem Kreisverkehr folgen und mich (innerhalb des Kreisverkehrs!) just in dem Augenblick rechts überholt, als ich mit aktiviertem Fahrtrichtungswechselanzeiger gerade rechts abbiegend den Kreisverkehr wieder verlassen will. 

Im Kampf um besinnliche Weihnachten zählt für manche eben jede Sekunde oder auch jede Gelegenheit einen Parkplatz vor allen anderen Autofahrern zu ergattern … gerade so, als wäre dieses Weihnachten das letzte Weihnachtsfest auf diesem Planeten.

Auch der Weg zur Packstation gestaltet sich nicht einfach, denn als Fußgänger ist man auf einem großen Parkplatz, der von vier Vertretern der großen Supermarkt-Ketten und einer großen Drogerie-Markt-Kette gesäumt ist, leider nicht viel Wert, so dass ich, nachdem ich meine Päckchen in der Hand haltend wieder an meinem Auto angekommen bin, schon tatsächlich froh bin, dass sich meine Freundin friedlich schlafend zuhause im Bett befindet, denn es ist schon schwierig genug für mich als Einzelperson hier unbeschadet herauszukommen.

Danach führte mich mein Weg noch zu zwei Bäckereien, die aber beide nicht die gewünschte Ware im Angebot haben. Nun stehe ich im dritten Anlauf vor einer weiteren Bäckerei, wobei das Wort “vor” diesem Fall eigentlich hoffnungslos optimistisch gewählt ist.

Vor dieser Bäckerei schlängelte sich nämlich eine Schlange, die über das Ende der Bäckertheke hinaus, an dem im Innenbereich bestuhlten Kaffee-Areal vorbei, durch die automatische Glas-Schiebetür des Supermarktes hindurch, entlang des auch im Winter bestuhlten Kaffee-Außenareals bis auf die ersten unüberdachten Meter des davor liegenden Parkplatzes erstreckte.

Ich stelle mich ans Ende der Schlange, die sich langsam und in sehr kleinen Schritten Kunde für Kunde in Richtung Bäckerei-Kasse schiebt und irgendwie fühle ich mich beim Anblick der gleichförmig stoischen Bewegung dieser Menschenkette an die Filmszenen bei den Arbeiter-Aufzügen im legendären Schwarz-Weiß-Film “Metropolis” erinnert.

Wie immer in solchen Situationen komme ich auf die seltsamsten Gedanken und beginne zum Beispiel die Männerquote der Schlange vor mir auszurechnen. Sie beträgt 83,33% (Periode), während die Männerquote hinter der Theke exakt 0,00% beträgt und ich frage mich, ob ich in meinem Leben eigentlich jemals einen männlichen Bäckereifachverkäufer gesehen habe …

Warum stehen aber so auffällig viele Männer in der Kundenschlange? Ist es eine der letzten Möglichkeiten des Mannes sich durch einen Gang zum Bäcker von anderen (möglicherweise unangenehmeren) haushaltlichen Pflichten freizukaufen? Wer vor der Bäckerei in der Schlange steht kann nicht gleichzeitig den Boden wischen, das Geschirr in der Küche erledigen oder das Bad putzen.

So wirklich habe ich mir dazu noch keine eigene Meinung gebildet, aber auffällig finde ich es schon, wie wenig weibliche Kunden vor mir in der Schlange stehen.

Und weil mir noch genug Zeit bleibt, beobachte ich das Treiben an den Supermarktkassen, wo das Piepsen der Scanner, die Signaltöne der Kassen und die Geräusche der sich öffnenden und schließenden Bargeldschubladen ihre ganz eigene kakophonische Cover-Konsum-Version des Weihnachtsliedes “Oh, du fröhliche! Oh, du selige!” erklingen lassen.

Es ist schon seltsam, wenn ich sehe mit welchen Stress und teilweise mit welcher Aggression die Menschen dieser Tage unterwegs sind. Spätestens seit Beginn meiner Zeit als Autofahrer weiß ich: Je mehr sich das Fest der Liebe nähert, umso mehr kommt das Tier im Menschen zum Vorschein.

Und den ganzen Stress nur, damit man dann für 2-3 Tage vollgefressen, einträchtig und bis zum Rande der Erträglichkeit (oder des Girokontos) beschenkt den immer gleichen seichten Unterhaltungsscheiß im Massenverblödungsmedium Fernsehen durchzappen kann.

Ich feiere bewusst kein Weihnachtsfest. Nicht nur, weil es nicht zu meinem Glauben gehört, und weil ich mich dem ganzen Konsumdiktat nicht unterwerfen will und auch nicht auf Kommando Lichterglanz und Gemütlichkeit heucheln möchte – während der Rest der Welt nach wie vor dabei ist sich an die Kehle zu gehen.

Aber irgendwie bin ich auch nicht viel besser als ihr da draußen. Immerhin stehe ich schon in der dritten Bäckerei in der Schlange, nur damit meine Freundin ihre Schweineöhrchen bekommt – dabei ging es auch wunderbar ohne, denn es gibt viele arme Menschen da draußen, die weit größere Probleme haben als Schweineöhrchen.

Und da ist es dann wieder: mein übliches Weihnachtsgewissen und gleichzeitig der hauptsächliche Grund, wieso ich dieses Fest nicht feiern will. Mir fällt in diesen Tagen immer ein, dass ich in diesem Jahr zu wenig Gutes getan habe bzw. hätte mehr tun müssen. Wollte ich mich nicht bei der Freiwilligen-Zentrale melden? Wollte ich nicht schon lang mal diese oder jene gute Sache angehen? Wollte ich nicht letztes Jahr (und die Jahre zuvor auch schon) ein wenig meine Bedürfnisse einschränken und was habe ich dieses Jahr wieder Gelegenheiten versäumt genau dies zu tun?

Für mich ist Weihnachten nie ein Fest der Freude. Besinnlichkeit, ja das kann schon sein … aber eben anders als man denkt. Eher eine Besinnung auf das schlechte Gewissen, weil es mir unverdient zu gut geht und vielen anderen unverdient zu schleicht – und ich wenig dazu beigetragen habe dies zu ändern. Ich wüsste also nicht, was ich an diesen Tagen “feiern” sollte.

Das sind meine Gedanken in der Schlange.
Und schon bin ich an der Reihe …

p.S. Schweineöhren habe ich an dem Tag keine mehr gefunden.

Mit Scharf?

„Möchten Sie von allen Beilagen etwas in Ihren Döner?“ fragt mich der freundliche junge Mann mit türkischen Migrationshintergrund hinter der Theke, mein persönliches Objekt der Begierde (den eben von mir bestellten und gerade noch in Produktion befindlichen Döner) noch in der einen Hand haltend, während die andere Hand bereits routiniert in Richtung der diversen Beilagen wandert.

Ich befinde mich in einer der vielen Dönerbuden in Hamm in Nordrhein-Westfalen. Für alle, für die “Hamm” nun nicht unbedingt ein Begriff ist: das ist in der Nähe von Dortmund. Gestern bin ich nach mehrstündiger Fahrt aus Süddeutschland hier angekommen – sofern man sich in dieser “Stadt” überhaupt angekommen fühlen kann.

Das Wetter ist kalt und regnerisch, ich bin total übernächtigt und außerdem ziemlich mies drauf – ein Umstand, der zusätzlich dadurch befeuert wird, dass ich gewaltigen Kohldampf habe und wenn ich hungrig bin, dann bin ich ohnehin schon reizbarer als im gesättigten Zustand.

Meine Verärgerung gilt weder dem vor mit stehenden Mitbürger, der seiner Dienst leistenden Tätigkeit mit vorbildlicher Freundlichkeit und Sorgfalt nachgeht, noch dem Zustand des Döners, den ich gleich zu verschlingen beabsichtige, und sie gilt auch sonst nichts, was sich aktuell um mich herum befindet.

Nein, meine Verärgerung gilt nur mir selbst.
Und im Moment überlege ich noch, wieso das so ist …

Schon seit ich den Döner-Laden betreten habe und mich der Verkäufer zum ersten Mal ansprach, indem er mir eine freundliche Begrüßung widmete, war ich eigentlich schon echt angepisst. Genau genommen stieg diese pissige Laune seither sogar deutlich an und zwar jedes Mal ein bisschen mehr, wenn ich den jungen Mann, der gerade am Fleisch-Spieß zu schaffen macht, reden hörte.

Und wie ich so innerlich gerade dabei bin Ursachenforschung hinsichtlich meiner Angepissheit zu betreiben, spricht der Türke schon wieder zu mir: „Möchten Sie in Ihren Döner auch etwas von der Cocktail-Soße? Die ist sehr lecker!“ und in diesem Moment bemerke ich, ich werde immer pissiger, je mehr ich diesen netten Türken reden höre!

Nein, ich bin kein Rassist.
Ich bin auch nicht rechts oder nationalistisch … im Gegenteil.

In meiner aktuellen Angepisstheit könnte ich mir das gar nicht leisten, denn ich stelle über mich selbst erschrocken fest, dass das, was mich seit wenigen Minuten so sehr ärgert, die Erkenntnis ist, dass dieser freundliche junge Mann hinter dem Tresen, dessen Vorfahren vermutlich erst vor wenigen Jahren nach Deutschland gekommen sind, ein tadellos reines Hochdeutsch mit mir spricht, wohingegen ich als Dorfjunge aus dem tiefsten Schwabenland ums Verrecken nicht von meiner dialektischen Einfärbung in der Aussprache wegkomme und ich mich im Vergleich zu ihm wie der Ausländer anhöre.

Leider, so stelle ich erschrocken fest, ist meine deutsche Aussprache weit von dem reinen Deutsch dieses Türken entfernt, denn in meinem Sprachzentrum tummeln sich anders klingenden Wortmelodien und Vokale, die Betonungen von Worten schwingen in meinen Stimmbändern anders und  garniert wird dies alles obendrein noch durch diverse weitere (natürlich ebenfalls regional bedingte) grammatikalische Unsitten wie zum Beispiel das mit  der Frau, die wo gesagt hat dass …

Kurz gesagt: ich komme mir gerade wie so ein richtig dumm-dusseliges Landei vor und das PISST MICH SELBER AN!

Es ärgert mich auch, weil ich just in diesem Moment retrospektiv bemerke, wie überheblich ich in der Vergangenheit oft in Alltagssituationen gewesen sein muss, wenn ich auf fremdländische Menschen traf, die der Deutschen Sprache weniger mächtig waren als ich. Ich meine, ich war nie unfreundlich oder abweisend, aber so ganz tief drinnen habe ich mich doch ganz komfortabel mit der Gewissheit arrangiert, die Deutsche Sprache besser zu beherrschen als mein Gegenüber und vielleicht war ich nie sensibel genug dafür zu erfassen, wie es wirklich ist, in einer Situation wie die meines Gegenübers zu sein.

Obendrein bin ich ein Reisemuffel. Mit Ausnahme eines Urlaubs in London und einer anstrengenden Woche an so einem Teutonengrillstrand an der Adria hatte ich bisher eigentlich keine nennenswerte Gelegenheit selbst als Ausländer irgendwo Erfahrungen von der anderen (sprachlich eingeschränkten) Seite her zu sammeln. Englisch war nie so mein großes Problem (Probleme in der Kommunikation mit mir hatten höchstens die Briten) und in dem kleinen Touristenkaff an der Adria sprach sowieso jeder Deutsch.

Und all diese Gedanken, Eindrücke und Erinnerungen tummeln sich in meinem Kopf und vermengen sich mit der von meinen rechtschaffenen Eltern mir  anerzogenen Moral, welche sofort ein schlechtes Gewissen von der Leine lässt, während mich der junge Türke völlig arglos und unbeabsichtigt  mal eben schnell so nebenher in meiner eigenen Muttersprache an die Wand klatscht.

Und dann steh ich da, den Döner (mit Cocktail-Soße) in der Hand haltend, und überlege,  ob ich nicht einfach wortlos aus dem Laden gehen und in den erstbesten Zug zurück nach Stuttgart steigen solle.

Ich bin nicht in den Zug gestiegen.
Ich habe den Döner bezahlt und ich hab ihn gegessen.

Er war lecker.
Aber ich war bis heute nie wieder in dieser Döner-Bude.

Das Ganze passierte im Jahre 2006 hier in Hamm, wo ich inzwischen seit mehr als 10 Jahren wohne. Wenn man mich heute fragt, wie ich mich nach mehr als einer Dekade hier fühle (inzwischen empfinde ich die Gegend hier oft schon als meine Heimat) oder was meine ersten Eindrücke hier waren, so gehört diese Geschichte noch immer zu den ersten Erinnerungen, die mir dazu in den Sinn kommen.

Nun gut, ich habe daraus keine besonderen Konsequenzen gezogen.

Weder habe ich angefangen Deutsch auf Lehramt zu studieren noch habe ich Integrationskurse besucht. Ich habe seit damals auch nicht häufiger den Duden aufgeschlagen, sondern wie bisher auch immer nur dann, wenn es mir wirklich absolut wichtig war mich nicht zu blamieren … und ansonsten habe ich mich einfach bis heute mit meinem Halbwissen arrangiert.

Ich hätte in der Zwischenzeit also wirklich genug tun können, um das damals empfundene Defizit ein wenig zu beheben. So wichtig war es mir dann aber wohl doch nicht.

Ich glaube, es hat mich schlicht völlig unerwartet getroffen, bemerken zu müssen, wie insgeheim voreingemommen ich doch bin (obwohl ich mich doch immer als tolerant und aufgeschlossen empfinde und jede Art von rechten Gedanken für Schwachsinn halte), weil ich merkte, dass ich bisher wohl immer grundsätzlich davon ausgegangen war, dass jemand, der nicht mein mitteleuropäisches Aussehen hat, meine Muttersprache gefälligst weniger gut zu beherrschen hat als ich.

Doch wie jede gute Geschichte, so hat auch diese Geschichte ihr “Happy End”, denn beim Verlassen des Döner-Ladens war ich wieder ein wenig mehr mit der Welt und mir selbst versöhnt.

Nicht nur, weil ich meinen Hunger losgeworden war und ich mir ganz fest vorgenommen hatte an meiner Voreingenommenheit zu arbeiten, sondern auch wegen des nächsten Kunden, der die Dönerbude betrat, als ich sie gerade verlassen wollte.

Dieser Kunde hatte auch nicht gerade (m)ein mitteleuropäisches Aussehen und sprach: „Olgum, gibs Du mir ssswei Dehner und ein Pommes“.

Na also, geht doch!